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Lückenschluss der Linie 105

Neubau Stadtbahn Geplant Oberhausen Essen

Lückenschluss der Straßenbahnlinie 105 von Essen-Unterstraße nach Oberhausen über die Neue Mitte. Das Projekt ist Teil des Masterplan Neue Mitte und zielt auf eine bessere Verknüpfung der Städte ab und schafft eine bessere Anbindung des Stadtteils Neue Mitte und des Einkaufszentrums Centro.

Die Linie 105 endet heute an der Haltestelle Unterstraße in Essen-Frintrop. Durch den Lückenschluss entsteht erstmals seit den 1970er Jahren wieder eine durchgehende, umsteigefreie Straßenbahnverbindung zwischen Essen und Oberhausen2. Die rund 3,6 Kilometer lange Neubaustrecke6 führt von der heutigen Endhaltestelle Unterstraße über die Essener Straße bis zum Anschluss an die ÖPNV-Trasse in der Neuen Mitte Oberhausen; 0,45 Kilometer davon liegen auf Essener Stadtgebiet. Über die bestehende Trasse wird der Anschluss an den Oberhausener Hauptbahnhof beziehungsweise den Bahnhof Sterkrade ermöglicht.

Durch das Projekt entstehen die folgenden Vorteile für die Region:

  • Umstiegsfreie Straßenbahnverbindung zwischen Essen und Oberhausen (aus dem Flickenteppich wird ein vollständiges Netz).
  • Erstmals seit den 1970er Jahren wieder eine direkte Straßenbahnverbindung zwischen den Nachbarstädten.
  • Bessere Anbindung der östlichen Teile des Stadtteils Neue Mitte an den Oberhausen Hbf und in Richtung Essen.
  • Erschließung der neuen Wohnquartiere am Brammenring und auf dem Gelände des ehemaligen Stahlwerks.
  • Bessere Erreichbarkeit von Centro, Gasometer und der übrigen Freizeitangebote der Neuen Mitte für Besucher aus dem Essener Stadtgebiet.

Streckenverlauf

Die neue Straßenbahnstrecke nimmt ihren Ausgang an der bestehenden Endhaltestelle Unterstraße auf Essener Stadtgebiet und verläuft von dort in Richtung Stadtgrenze. In Oberhausen folgt die Trasse zunächst der Essener Straße, überquert die Köln-Mindener-Eisenbahnstrecke auf einem Rampen- und Brückenbauwerk und führt anschließend auf einem grünen Gleiskörper durch den Stahlwerkspark. Nach der Querung der Osterfelder Straße auf einer weiteren Brücke mündet die Strecke in Höhe des Gasometers in die bestehende ÖPNV-Trasse der Oberhausener Straßenbahnlinie 112 ein1.

Entlang der Strecke sind zusätzlich zur bestehenden Haltestelle Unterstraße sieben neue Haltestellen vorgesehen, sechs davon auf Oberhausener Stadtgebiet und eine im Bereich der Unterstraße auf Essener Stadtgebiet:

  • Hausmannsfeld an der Essener Straße, als Mittelbahnsteig in Mittellage angelegt
  • Lipperheidebaum an der Essener Straße im Bereich der Mellinghofer Straße, ebenfalls als Mittelbahnsteig
  • Stahlwerk: Erschließung des neuen Wohnquartiers auf dem Gelände des ehemaligen Stahlwerks
  • Osterfelder Straße und Sealife/Marina/Centro: in Hochlage entlang der Marina, des Freizeit- und Einkaufsstandorts und parallel zu einer Güterbahnstrecke
  • Gasometer: neue Haltestelle auf der bestehenden ÖPNV-Trasse der Linie 112 zwischen Neue Mitte und OLGA-Park

Derzeit verkehrt die Linie 112 zwischen Neue Mitte und OLGA-Park ohne Halt am Gasometer. Im Zuge des Lückenschlusses entsteht dort eine neue Haltestelle Gasometer, an der die Linie 105 in die bestehende ÖPNV-Trasse einfädelt und die zugleich als Übergang zwischen Neubau- und Bestandsnetz dient.

Vorgeschichte

Zwischen Essen und Oberhausen bestand bereits bis zum 7. Oktober 1967 eine direkte Straßenbahnverbindung: Die gemeinsam von der Essener Verkehrs-AG (EVAG) und Oberhausen betriebene Linie 5 führte über den Oberhausener Hauptbahnhof und den Lipperheidebaum nach Essen3. Bis heute enden die Gleise auf der Frintroper Straße wenige Meter vor der Stadtgrenze an der Haltestelle Unterstraße.

Erste Pläne für einen Lückenschluss im Zuge der neuen ÖPNV-Trasse der Neuen Mitte gab es bereits in den 1990er Jahren. Bei einem Ratsbürgerentscheid im März 2015 sprach sich eine Mehrheit von 57 Prozent der Teilnehmer jedoch gegen die damals geplante, aufgeständerte Trassenführung aus3. Die nun geplante Variante verläuft hingegen ebenerdig, ist mit rund 3,6 Kilometern etwa 300 Meter länger als die Alt-Variante und erschließt zusätzlich die neuen Wohnquartiere im Osten der Neuen Mitte1.

Planungsstand und Zeitplan

Am 5. Februar 2024 fasste der Rat der Stadt Oberhausen den Grundsatzbeschluss zur Verlängerung der Linie 105 und beauftragte die Verwaltung, eine neue Planung gemäß dem Trassenvorschlag des Masterplans Neue Mitte zu entwickeln1. Grundlage ist der im Mai 2022 vom Rat beschlossene Masterplan „Neue Mitte 4.0"4.

Am 13. Mai 2026 fand im Technologiezentrum Oberhausen eine öffentliche Bürgerinformationsveranstaltung statt, in der die überarbeitete Vorplanung der Strecke vorgestellt wurde2. Die Rückmeldungen sind in die Aktualisierung der Planung eingeflossen.

Am 28. September 2026 fasste der Rat der Stadt Oberhausen den Planungsbeschluss zur überarbeiteten Planung6 und beauftragte die STOAG, die Leistungsphasen 3 und 4 nach HOAI – Entwurfs- und Genehmigungsplanung – zu erarbeiten und das förmliche Planfeststellungsverfahren einzuleiten. Die Antragstellung ist für den weiteren Verlauf des Jahres 2027 vorgesehen, die Planfeststellung erfolgt durch die Bezirksregierung Düsseldorf. Am Ende des Verfahrens steht ein erneut vom Rat zu fassender Baubeschluss, die Haushaltsmittel werden voraussichtlich ab 2030 ff. angemeldet. Die Inbetriebnahme auf der neuen Trasse ist für das Jahr 2030 vorgesehen3.

Kosten und Förderung

Die Nettobaukosten einschließlich Grunderwerb werden auf rund 134 Millionen Euro geschätzt. Nicht zuwendungsfähig sind davon der parallele Radweg (3,0 Millionen Euro), die über das förderfähige Standardmaß hinausgehende Ausgestaltung der Haltestellen (3,0 Millionen Euro) und die vorsorgliche Verlängerung des Brückenbauwerks für einen Regionalbahnhalt (2,77 Millionen Euro). Nach Abzug dieser Positionen sowie eines Risikoabschlags von 10 Prozent und mit einem Planungskostenzuschlag von 10 Prozent ergeben sich zuwendungsfähige Gesamtkosten von rund 123,01 Millionen Euro netto, davon 90 Prozent Förderung nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz. Der Eigenanteil der STOAG beträgt insgesamt rund 33,39 Millionen Euro bei Gesamtkosten von rund 144,10 Millionen Euro6. Die jährlichen Gesamtkosten nach Fertigstellung werden mit rund 6,45 Millionen Euro angegeben; nach Abzug der Fahrgeldeinnahmen (2,38 Millionen Euro) und der entfallenden Erschließungskosten für eine alternative Busanbindung (1,42 Millionen Euro) verbleiben rund 2,65 Millionen Euro jährlicher Mehraufwand. Das Nutzen-Kosten-Verhältnis liegt bei 1,96; Voraussetzung für die Förderung ist die Aufnahme in den ÖPNV-Bedarfsplan des Landes NRW.

Betriebskonzept

Auf der neuen Trasse soll die Linie 105 in einem 10-Minuten-Takt verkehren. Dabei ist eine Flügelung vorgesehen, sodass abwechselnd jede zweite Bahn Richtung Oberhausen Hauptbahnhof beziehungsweise Richtung Sterkrade weitergeführt wird3.

Projekt-Updates

28.09.2026: Planungsbeschluss des Rates der Stadt Oberhausen

Der Rat der Stadt Oberhausen hat der überarbeiteten Planung zugestimmt und die STOAG mit den Leistungsphasen 3 und 4 nach HOAI sowie dem förmlichen Planfeststellungsverfahren beauftragt6. Über einen Änderungsantrag der SPD-Fraktion beschloss der Rat, die Gestaltung der stadtbildprägenden Haltestellen in der Leistungsphase 3 anhand von Ausstattungs- und Kostenvarianten zu konkretisieren; die umfängliche Kostenermittlung wird dem Rat erneut zur Entscheidung vorgelegt7. Eine vorsorgliche planerische Berücksichtigung des Regionalbahnhalts Neue Mitte wurde dagegen nicht beschlossen. Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr verfolgt den Halt nicht und er ist im Zielnetz 2040 nicht vorgesehen ist6.

13.05.2026: Bürgerinformationsveranstaltung zur überarbeiteten Vorplanung

Beim offenen Infomarkt im Technologiezentrum Oberhausen stellten die Projektpartner die überarbeitete Vorplanung vor. Die Rückmeldungen fließen in die Aktualisierung der Planung ein; die Beschlussfassung durch den Rat ist für den Sommer 2026 vorgesehen2 5.

05.02.2024: Grundsatzbeschluss des Rates der Stadt Oberhausen

Mit breiter Mehrheit hat der Rat der Stadt Oberhausen den Grundsatzbeschluss zur Verlängerung der Straßenbahnlinie 105 gefasst und damit den Auftrag für die weitere Konkretisierung der Planung und die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger erteilt1.

Verwandte Projekte

  • Citybahn Essen: Die Citybahn schafft zusätzliche Kapazitäten im Essener Straßenbahnnetz und kann beispielsweise die Linie 105 aus dem Tunnel am Hauptbahnhof herausnehmen.
  • Regionalbahnhaltepunkt Neue Mitte an der Köln-Mindener-Eisenbahnstrecke: fahrplantechnisch realisierbar, vom Verkehrsverbund Rhein-Ruhr derzeit nicht verfolgt und im Zielnetz 2040 nicht vorgesehen; eine planerische Berücksichtigung ist nicht beschlossen6.

Offizielle Webseite: linie105.de

Referenzen


  1. https://www.oberhausen.de/de/index/rathaus/news/2024/02_februar/stadtrat_stimmt_mit_breiter_mehrheit_fuer_den_grundsatzbeschluss_zur_verlaengerung_der_linie_105.php ↩↩↩↩

  2. https://www.stoag.de/dialog/neuigkeiten/detail/direkte-strassenbahnverbindung-zwischen-oberhausen-und-essen-1.html ↩↩↩

  3. https://tramtracks.de/magazin_2024-03_oberhausen_linie_105.html ↩↩↩↩

  4. https://linie105.de/wp-content/uploads/2026/05/2022-03-21_20M_17_1733-01_20Masterplan_20Neue_20Mitt_20SAO.pdf ↩↩

  5. https://www.linie105.de/2026/05/14/pressemitteilung-zur-buergerinformationsveranstaltung-am-13-mai-2026/ ↩

  6. https://www.linie105.de/wp-content/uploads/2026/09/2026-09-01-B_18_1246-Beschluss-zur-PlanungSammeldokument_kl.pdf ↩↩↩↩↩↩↩

  7. https://www.linie105.de/wp-content/uploads/2026/09/2026-09-28-A_18_1333-Aenderungsantrag.pdf ↩